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Bremer Anzeiger, Sonntag, 07. Dezember 2008 Mit spielerischer Sicherheit Verkehrswacht, Bridgestone und Polizei beschenken Kindergärten Von Ingo Lucker OBERVIELAND. Die Deutsche Verkehrswacht und der Reifen-Hersteller Bridgestone sind gerade bundesweit unterwegs, um Kindergärten mit “Move-It”-Boxen für die Verkehrserziehung zu beschenken. Vor kurzem waren sie auch in Obervieland. “Für die Kinder ist es ein lustiges Spiel - für uns hat das jedoch einen ernsthaften Hintergrund”, sagte Egon Pühn, Pädagoge bei der Landesverkehrswacht Bremen. “Denn es verunglücken immer noch zu viele Kinder auf Deutschlands Straßen.” Zusammen mit den Obervielander Kontaktpolizisten Thomas Kothe (Kattenturm) und Hannes Lefers (Habenhausen) sowie Axel Behme, Vorsitzender der Verkehrswacht, zeigte Pühn den Mädchen und Jungen von vier Obervielander Kindertagesheimen die vielseitigen Möglichkeiten, die in einer “Move-It”-Box stecken. Zusätzlich zu den Spielgeräten gab es auch einen Film sowie ein Hanbuch als Anleitung für die pädagogischen Übungen. “Untersuchungen haben gezeigt, dass Kinder, die sich besser bewegen sowie konzentrieren können und die auch Sozialverhalten beherrschen, weniger gefährdet sind”, so Pühn. “Mit den ´Move-It`-Boxen kann das trainiert werden.” Die Aktion “Kinder aktiv im Straßenverkehr” fand in den Räumen der BMW-Niederlassung an der Borgwardstraße statt. Die 100 Kinder der Kitas Wischmannstraße, Anne Mevissen, Stichnath- und Engelkestraße haben an diesem _Tag aber nicht nur gespielt. Die Kontaktpolizisten vermittleten ihnen schon beim Hinweg zu Fuß beziehungsweise per Bus viel Wichtiges über das richtige Verhalten im Straßenverkehr. Darüber hinaus war bei BMW ein kleiner Parcours aufgebaut, auf dem die Kids ihre Geschicklichkeit auf Rollen und Bobbycars schulen konnten. Außerdem zeigte Egon Pühn den kleinen Obervielandern mit Hilfe eines Schlittens und einer Puppe, wie wichtig es ist, im Auto stets angegurtet zu sein. X X X Weser Report, Sonntag, 05. Oktober 2008 Schumi-Mützen für Erstklässler Polizei und Dekra verteilen kostenlose knallrote Reflektorkäppis an Bremens ABS-Schützen Von Ilja Mertens BREMEN. Herbst in Bremen - morgens wird es später hell und abends schneller dunkel. jetzt sind gerade Schulanfänger dem Weg zur Schule gefährdet. und Dekra wollen mit “Mütze und Verstand” für Sicherheit sorgen. “Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Sie können weder Entfernungen noch Geschwindigkeiten richtig einschätzen”, sagt der Verkehrssicherheitsberater in der Direktion Wasserschutz- und Verkehrspolizei, Axel Behme. Gerade im Herbst und im Winter, wenn Kinder vermehrt im Dunkeln unterwegs sind, steigt die Unfallgefahr. Behme: ”Straßenverkehr ist wie Showbusiness - es geht um sehen und gesehen werden.” Das Problem: Viele Erwachsene gehen davon aus, dass Kinder genau die gleiche Wahrnehmung haben wie sie selbst und handeln für Kinder entsprechend gefährlich. Hinzu kommt, dass Kinder glauben, alles was sie sehen, würde auch sie sehen. Deshalb startet die Polizei nach den Herbstferien eine Aufklärungsoffensive mit vielen Aktionen in Bremer Schulen. Behme: “Wir gehen auch mit ganzen Klassenverbänden in den Straßenverkehr und zeigen den Kindern, wie ein Reflektor wirkt und worauf es in der dunklen Jahreszeit im Straßenverkehr ankommt. Unterstützung bekommt die Polizei dabei von Dekra: Der Deutsche Kraftfahrzeug-Überwachungsverein spendet für Bremens Erstklässler 2.500 knallrote Caps mit stark reflektierenden Leuchtstreifen. Gabriele Goeden von Dekra Bremen: “Die Caps werden von den Kindern dank des ´Schumi-Effektes` gern und freiwillig getragen.” X X X Weser - Kurier/Bremer Nachrichten, Freitag, 8. August 2008, Seite 9 Kein Verkehrsschild - der Sicherheit zuliebe Leiter der Bremer Verkehrswacht plädiert für radikales Umdenken im Straßenverkehr Von unserer Redakteurin Rose Gerdts-Schiffler BREMEN. Axel Behme muss nicht weit gehen, bis er in Bremen eine Straße findet, aus der er alle Verkehrsschilder, Ampeln und Bürgersteige entfernen würde - der Sicherheit zuliebe. Vor dem Pressehaus in der Martinistraße bleibt er stehen und beschreibt mit der Hand unter dem tosenden Gedonner eines Sattelzuges eine Strecke von der Handelskrankenkasse bis zur Brillkreuzung: "Hier wär's ideal." Ein Autofahrer bremst, der andere hupt, es rauscht und röchelt und dann steht auf einmal alles ein, zwei Minuten still und Dutzende von Fußgängern hetzen über die Straße Richtung Schlachte. Hier, ausgerechnet hier, würde der Leiter der Bremer Verkehrswacht und Verkehrssicherheitsberater der Bremer Polizei am liebsten alle Schilder abbauen und ein sogenanntes Shared Space-Modell einrichten. Also einen Verkehrsraum, in dem Fuß- und Radwege samt Fahrbahnen ineinander übergehen und durch nichts farblich oder optisch getrennt werden. "Die Leute werden glauben, ich bin wahnsinnig geworden", prophezeit Axel Behme. Aber wer einmal die Kleinstadt Bohmte besucht habe (siehe Bericht unten) oder die Erfolge in der Unfallstatistik aus den Niederlanden verfolge, sei von dieser neuen Verkehrsphilosophie infiziert. Der langjährige Leiter der Verkehrswacht und Schutzpolizist ist Pragmatiker. "Shared Space heißt nicht Disneyland ohne Parkhäuser und Autos. Die umgebauten Abschnitte sind weiterhin urbaner Lebensraum für alle Verkehrsteilnehmer." Beim Umbau der Martini-straße sei eine historische Chance verpasst worden, glaubt Behme. So, wie der Verkehr jetzt durch die Hauptstraße rausche, schneide die Martinistraße die Altstadt vom Fluss ab. Doch statt den Verkehr umzuleiten, oder Holperschwellen, Berliner Kissen oder Baumnasen einzubauen, würde Behme als eine von vielen Maßnahmen die Ampeln in der Nähe des Pressehauses abbauen. "Eine Ampel verspricht zu Unrecht Sicherheit und zieht Geschwindigkeit an", behauptet der Verkehrsexperte. Bei Gelb werde noch schnell Gas gegeben, anstatt zu stoppen und mit 65 Kilometer pro Stunde rauschten viele Autos dann bei Rot rüber. Doch dann entdeckt Behme erfreut erste Ansätze wie beim Modellprojekt in Bohmte: Der Vorplatz vom Pressehaus "verschwimmt" baulich und optisch mit der Fahrbahn der Langenstraße und der Einfahrt zum Parkhaus. Alles ist gleich hoch und mit demselben Material gepflastert und verströmt die Aura eines Platzes. Und tatsächlich gehen Auto- und Radfahrer am Eingang der Langenstraße sofort mit dem Tempo runter. Ein Café betreibt erfolgreich Außentische. "Diese Idee hätten die Stadtplaner auch auf die Martinistraße ausweiten müssen", sagt Behme bedauernd. Eine neue Chance ergebe sich beim geplanten Umbau der Straße Vor dem Steintor und dem Ziegenmarkt. Aus der Kleinstadt Bohmte weiß der Verkehrsexperte inzwischen, dass eine gelungene Bürgerbeteiligung ausschlaggebend für den Erfolg von Shared Space-Modellen ist. Vier Jahre hatten die Bohmter Geschäftsleute, Politiker und Bürger getagt und beraten - jetzt wollen es ihnen die Hamburger und Hannoveraner nachmachen. Bohmter Bürger verzichten auf Ampeln und Bürgersteige Niedersächsische Kleinstadt zieht Experten aus aller Welt an Von unserer Redakteurin Rose Gerdts-Schiffler BREMEN-BOHMTE. Seit einigen Monaten sorgt eine Kleinstadt in Niedersachsen für Schlagzeilen in Japan, Russland und New York: Bohmte bei Osnabrück. Delegation für Delegation wird seit Mai durch den Ortskern mit seinem schlichten, hellen Kirchenbau geführt, und Verkehrsexperten aus aller Welt staunen, wie aus der einst lärmenden Durchgangsstraße ohne Autofahrerschikanen wieder ein lebenswerter Aufenthaltsort geworden ist. Und das, obwohl weiterhin rund 12 500 Lastwagen und Autos Tag für Tag durch Bohmte fahren. Das Zauberwort heißt "Shared-Space" und ist eine Erfindung aus den Niederlanden. Dort hatte vor 20 Jahren der Verkehrsplaner Hans Monderman ein Modell entwickelt, nachdem ein optisch begrenzter Verkehrsraum Fußgängern, Radfahrern und Autos gleichberechtigt zur Verfügung steht. Der so geschaffene Raum kennt keine Ampeln, Bürgersteige, Fahrbahnen oder Verkehrsschilder. Alles sieht aus wie ein großer Platz. Der Bohmter Polizeibeamte Peter Hilbricht hätte denn auch im Vorfeld "Haus und Hof verwettet, dass das Chaos" ausbricht. Inzwischen gehört der Beamte zu der rasant wachsenden Fangemeinde von "Shared Space". Anwohner schwärmten einer Delegation aus Bremen jüngst vor, es sei soviel leiser und entspannter geworden. Und viele andere klagen, dass das Modellprojekt bislang nur auf den 450 Meter langen Ortskern beschränkt wurde. Das Geheimnis des Erfolges scheint darin zu liegen, dass alle Verkehrsteilnehmer unsicher sind und aufmerksam die anderen beobachten. Rechts vor links, Blickkontakt, Handzeichen und Rücksicht sind die bestimmenden "Regeln". Keine Ampel oder kein Tempo-30-Schild suggerieren Sicherheit. Alle Schulwege von Bohmte führen über die Durchgangsstraße, aber selbst ABC-Schützen kommen ohne Gefahr von einer Seite auf die andere. Seit Mai gab es auf dem Abschnitt keinen Unfall. Üblich waren sonst auf dieser Teilstrecke 43 Unfälle pro Jahr.
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